Triple: Apple iPod, Passat-iPod-Adapter und Pioneer VSX2016

Vor 15-20 Jahren sah die bessere Standardanlage so aus: Ein HiFi-Turm mit Verstärker, CD-Player, Tape-Deck, Plattenspieler und Tuner. Heute ist alles komplizierter: Die Digitaltechnik, der PC und HDTV haben zwar die Möglichkeiten stark erweitert, aber einfacher ist es für den verwöhnten Verbraucher natürlich nicht geworden. Nachdem eine PC/Windows-basierte TV-/HiFi-Anlage bei uns zu Hause vor 2 Jahren noch gescheitert ist (kein Start aus dem Standby, nur 1-Kanal-Tuner, etc.), habe ich diesmal vor Weihnachten und Mehrwertsteuererhöhung mir eine eher konventionelle Unterhaltungs-Elektronik-Lösung zugelegt. Eigentlich hatte ich vor den Verstärker im HiFi-Rack und den Tuner zu ersetzen. Günstig wäre dann noch die Abspielmöglichkeit von externer Festplatte. Die Lösung sollte der VSX2016 sein. Habe also Hals-über-Kopf mit 715 Euro bei Ebay zugeschlagen. Der unterstützt sowohl USB2-Festplatten als auch den Apple iPod. Bei letzterem musste es natürlich die 80Gbyte-Edelversion in schwarz sein.

VSX2016AVs

Der neue Receiver kam zuerst, alles funktionierte tadellos. Warum das große Display jedoch nicht mal die Titel der externen Festplatte anzeigt bleibt mir ein Rätsel. Auch die Fernbedienung ist ziemlich unübersichtlich: Die Display-Taste ist keineswegs nahe dem Display. Auch gibt es zwei Receiver-Tasten, aber kein On/Off. Viele Funktionen gehen nur über die Fernbedienung, was man schon fast gewöhnt ist. Allerdings sind weitergehende Funktionen nur mit angeschlossenen TV bedienbar. Leider hat das noch nicht geklappt.
Ein ziemlicher Nachteil ist auch der fehlende Phono-Eingang. Den hat erst der fast doppelt so teuere VSX-AX4ASi-S. Wie soll man dann seine veralteten Platten überspielen? Also blieb der alte Verstärker doch im Rack, und nur der Tuner wurde entsorgt.

+ recht universell
+ unproblematische Unterhaltungselektronik

- arg kleingeratene Lautsprecher-Anschlüsse
- Extrafunktionen nur mit TV bedienbar
- kein Phono-Eingang
- kein Equalizer

iPod

Das der iPod sich würdig in die Reihe von Design-Ikonen wie Jaguar-E oder italienischen Nobel-Cappucchino-Maschinen einordnet, sieht man ja schon im Geschäft, aber wie praktisch ist das Ding? Vorneweg: Er kann viel, aber wer dachte Alt-Ctrl-Delete oder das Anklicken der Start-Taste zum Beenden von Windows wäre kompliziert, der muß noch einiges hinzulernen, und das erstmal ohne Bedienungsanleitung. Letztere wurde vor einiger Zeit wegrationalisiert - ohne Internet-Anschluß und neuestem iTunes-Download geht also nichts. Die Quick-Time-Hilfe ist sogar nur mit aktiver Internetverbindung vorhanden. Leider fällt einem schon nach wenigen Minuten auf, was man als PC-User so vermisst: Es gibt keinen richtigen Equalizer und lange Titel werden im Display schnöde abgehackt. Eine Aufnahmefunktion per Line-Eingang oder Micro gibt es nicht. Eine Macke wurde direkt vom PC übernommen: Der iPod kann abstürzen und reagiert dann auf nichts mehr – der Akku wird dann komplett entladen, bis man die sehr komplizierte Tastenfolge herausfindet, mit der man einen Reset durchführen kann.

Der Kopfhörer malträtiert die Ohren gnadenlos schon nach kurzer Zeit und verwöhnt im Klang nur bei sehr bassarmen Titeln. Das Display ist zwar gut, könnte aber auch deutlich informativer sein, z.B. weiss man nie ob z.B. die Bässe schon angehoben sind oder nicht.

Leider ist der iPod sehr empfindlich: Jeder Fingerabdruck ist allzu deutlich sichbar. Die mitgelieferte Hülle ist denkbar unpraktisch, denn sie bedeckt die Bedienelemente, und Platz für den Köhrer und das USB-Kabel gibt es auch nicht. Immerhin ist die Akku-Laufzeit sehr ordentlich, so dass man die nichtvorhandene Batterie-Funktion oder einen Zweit-Akku nicht wirklich vermißt.

Mit der Software-Zentrale iTunes muß sich User beschäftigen. Im iTunes haben die Verzeichnisse in denen die Titel stehen leider keine Bedeutung und auch können die ID3-Tages nicht automatisch aus dem Dateinamen entnommen werden. Die einzige Ordnung erfolgt durch Playlists, d.h. eine hierarchische Bibliothek gibt es nicht, d.h. eine Ordnung die man sich aauf seiner Festplatte geschaffen hat wird nicht direkt benutzt. Leider bedeutet ein ‚Synchronisieren’ auch das die iPod-Titel gelöscht werden – einen Sinn kann man darin wohl nicht erkennen. Eine Abhilfe bringt wohl die komplett ‚Manuelle Verwaltung’. Die Titel-Klassifizierung im iTunes hat im iPod eine „write-only Funktion“ und das auch nur wenn man die Bedienungsanleitung intensiv studiert hat, aber z.B. einfach nur die Top-Titel zu spielen geht nicht. Dem muß man durch aufstellen von Play-Listen entgegenwirken. Etwas fehlerhaft scheint auch die Sortierung nach Interpreten zu sein: Unter manchen Interpreten fehlen Titel, die auf dem iPod vorhanden sind, und unter "Titel" auch zu finden sind. Im insgesamt ordentlichen iTunes geht diese Funktion noch. Fairerweise muß man aber sagen, daß wenn man nur einen PC benutzt alles recht einfach funktioniert. Einfach Dateien per drag-and-drop rüberschieben und damit iTunes ignorieren geht zwar, aber man hat dann quasi alles doppelt im iPod. Auch kommt unser Autoradio mit USB-Anschluß mit dem iPod-USB nicht so richtig zurecht: Es dauert etliche Zeit bis man abspielbereit ist. Da sind normale USB-Sticks viel besser.

Insgesamt hätte ich gedacht, dass Apple ihrem mittlererweile ausgewachsenen Baby etwas mehr Aha-Effekte mitgegeben hätte. Fairerweise muß man aber auch sagen, dass viele Funktionen (Spiele, Kalender, etc.) noch auf die Entdeckung durch mich warten.
Wie sieht's mit Videos aus? Das Display ist ja ganz toll, aber meine ganz normalen mpeg2-Videos, die wirklich jedes PC-Programm abspielen kann, habe ich bisher noch nicht auf den iPod übertragen können. Beim Öffnen mit QuickTime erhält man nur eine Fehlermeldung in schlechtem Deutsch. Abhilfe bringt nur die Pro-Version UND ein Extra-mpge2-Konverter, beides a 20 Euro. Aber selbst dann muß jede einzelne DVD/mpeg-Video langwierig konvertiert werden. Auf normalen PCs ca. mit doppelter Abspielgeschwindigkeit.
TIPP: Eine vernünftisge Freeware-Alternative ist Super von eRightSoft. Damit kann man u.a. mpeg2 in mp4 verwandeln und diese dann per iTunes ganz normal auf den iPod übertragen.
Generell scheint Apple wenig an einer vernünftigen Grundsoftware interessiert zu sein: Glatt die Hälfte alle QuickTime-Menüpunkte sind nur in der Pro-Version aktiv. Bilder lassen sich zwar darstellen, leider jedoch ganz ohne Digicam-übliche Zoom-Funktion!

Fazit: Der iPod ist weniger ein perfektes "Stand-alone" Gerät, als vielmehr edles Teil einer ganzen Soft- und Hardware Palette, die insgesamt kaum Wünsche übrig läßt - aber ganz schön an den Geldbeutel gehen kann.

+ viel Zubehör verfügbar
+ cooles Styling
+ 80 GByte reichen wirklich lange!

- Bedienung nicht wirklich intuitiv
- keine Aufnahmefunktionen
- kein Equalizer und teure Zusatzforftware
- bei Bilddarstellung kein Zoom
- mpeg2-Videos nur mit langwieriger Konversion abspielbar
- Arbeitet schlecht mit USB-Autoradios zusammen - viele iTunes/PC-Funktionen leider nicht verfügbar

iPod im VW Passat

Das schöne am iPod ist sicher, dass er mittlererweile fast überall angeschlossen werden kann. Beim Passat gibt es einen iPod-Adapter für nicht allzuviel Aufpreis - zumindest nach VW-Maßstäben. Was man dafür bekommt grenzt aber schon an eine Frechheit. Schon die Bedienungsanleitung, die ich leider erst Monate später erhalten habe, ist ein Offenbarungseid:
Der Einbau wird auf zig Seiten beschrieben, die Bedienung selbst mit zweien. Und 75% des Text beschreiben dann recht korrekt was alles nicht geht - und dies sind wirklich Selbstverständlichkeiten!
Sie glauben, dass Titel wie in 100-Euro-Radios seit Jahren üblich im Klartext angezeigt werden? Unsinn! Sie glauben, dass man an der selben Stelle weiterhören kann, wo man beim Verlassen aufgehört hat? Science-Fiction bei VW!
Sie glauben, dass ein DVD-CD-iPod-Navi-System absturzsicher ist? Sehr naiv! Sie glauben, dass sie wenigstens alle Titel hören können? Iwo ab 99 Titel fängt man wieder bei Null an!

Fazit: Schlimmer geht es nicht! Fast alles was dem iPod zum komfortablen Musikabspielgerät macht fehlt komplett.

 

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