Alpenpässe per Motorrad / Home

Alle Alpenpässe bin ich noch nicht gefahren, daß wird wohl auch noch einige Zeit dauern. Trotzdem möchte ich vorab die schönsten präsentieren. Einige sind natürlich bestens bekannt und sogar berühmt, wie z.B. das Stilfser Joch. Diese sind dann leider aber oft auch überlaufen, also sollen auch interessante "Nebenpässe" präsentiert werden. Die Kriterien und insbesondere die Auswahl bleibt natürlich immer sehr subjektiv. Beispielsweise hängt der persöhnliche Eindruck beim Fahren stark davon ab, wie man sich fühlt, ob es regnet oder wo man gerade herkommt. Auch das Motorrad spielt eine Rolle, eine PS-schwache Maschine muß sich oft bergauf quälen, während schlechte Bremsen berab allen Spaß beseitigen. Bei einigen Pässen spielt auch die Richtung eine große Rolle, z.B. beim Maloja-Paß oder beim Stilfser Joch. Auch kann der Ausbauzustand sich stark ändern: Dem einen haben vielleicht gerade die urigen Löcher und Schotterstellen gefallen, so daß der überholte Paß im nächsten Jahr gar nicht mehr interessant ist.

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Was für eine Mammutaufgabe? Angefangen hat alles mit dem Umzug nach München und den Kauf des sehr empfehlenswerten Buchs "Die schönsten Alpenpässe - 50 Motorradtouren". In ein paar Jahren hatte ich - überwiegend in Tagestouren - fast alle und viele andere Pässe "durch". Als Motorrad dient meist eine Honda CBR900RR mit Superbike-Lenker bzw. für die ersten 2 Jahre eine Suzuki GSF600 Bandit. Hier nun die Highligths.

Die Hohen

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist sicher die Paßhöhe für die Auswahl der spektakulärsten Pässe. Schlieslich garantiert diese auch eine gewisse Länge des Fahrspaßes und auch landschaftliche Reize, wie Gletscher. Von München aus ist hier sicher das Stilfser Joch die erste Wahl. Man kann es leicht über Fernpaß, Imst, Landeck und Reschenpaß (aufpassen die Ösis kontrollieren ganz scharf) in ca. 4 Stunden erreichen. Dieser Weg ist meiner Meinung nach auch der angenehmere, denn die 48 z.T. engen und steilen Kehren der Nordseite haben es in sich, so daß am Gipfel (mit Gletscherschigebiet, Ortlerblick, Kiosk etc.) erst einmal Entspannung angesagt ist. Die Höhe von 2757m (auf manchen Postkarten sind es mehr) hat es auch in sich, manche Motoren müssen durch ständige Gasschübe am Leben gehalten werden. Die meisten werden wohl keine Lust haben die holprigen Kehren wieder zurückzufahren. Schöner ist es entweder noch Bormio weiterzufahren und sich Richtung Schweiz zu wenden. Wenn die Tour eine nicht allzu lange Tagestour bleiben soll ist letzteres zu empfehlen. Über den Ofenpaß und Zernez kommt man dann wieder nach Österreich/Landeck zurück und könnte sogar in Samnaun billig tanken (ca. 1,30SFr). Die südliche Route führt z.B. weiter nach Livigno oder über Sondrio nach Mailand. Am schönsten ist es aber nach Bormio den Gavia-Paß anzusteuern.

Stilfser Joch (von Norden, vom Reschen aus kommend, links der Ortler) aus der Vogelperspektive Stilfser Joch (von Norden)

Der Gavia-Paß (2612m) ist nach dem Stilfser Joch der zweithöchste Paß der Zentralalpen und ganz anders zu fahren. Am Stiflser Joch ist alles recht kahl, während man hier noch länger im Wald fährt (von Osten kommend). Auch ist der Weg nicht so direkt, der Weg ist recht schmal und die Wegführung eher zufällig. Ich bin den Paß schon öfter in beiden Richtungen gefahren und mir hat der Weg von Bozen nach St. Catarina (Heimat von Debora Compagnoni, der Schifahrerin) etwas besser gefallen. Man ist einfach länger in der lieblichen Natur und die kahle Bergwelt kommt erst später.

Der Iseran-Paß (Colle de Iseran, 2770m) nahe dem berühmten Schiort Val d´Isere ist noch höher als das Stilfser Joch und insgesamt der zweithöchste befahrbare Alpenpaß. Im genannten Buch war die Beschreibung eher neutral denn überschwenglich. Mein Eindruck war jedoch ganz anders. Morgens ging es von Frankreich los und der Eindruck war überwältigend. Im Zick-Zag ging es hoch und es dauerte einige Zeit bis man mitten im Schigebiet war. Nicht allzuweit weg ist der Colle de Galibrier, ein vor allem durch die Tour de France berühmter Paß mit 2646m Höhe.

Die Schönen

Sind sie nicht alle schön? Oh doch, aber einige sind schon ohne Superlative etwas ganz besonderes. Vor allem im direkten Vergleich: Man kann z.B. von St. Moritz aus einige Pässe nach Norden nehmen, doch der Albulapaß schlägt den Julierpaß an Schönheit ganz klar. Ersterer ist schmäler, kurvenreicher und am Rand stehen schöne Bauernhäuser, während der Julier eben ein wintersicherer Paß für die Autos ist. Was nicht heißt, daß man als Motorradfahrer keinen Spaß hat.

Wenn man nach dem Brenner nach Süden möchte (wer will daß nicht?), dann gibt es den direkten Weg an der Eissack nach Bozen oder aber viel interessanter das Penser Joch (2211m). Der Ausbauzustand ist eher mittelmäßig, aber der Fahrspaß hoch. Am Ausgang des Tals kurz vor Bozen gibt es auch noch spektakuläre Ausblicke auf Weinberge und Burgen. Geradezu genial ist auch der Abzweig nach Klobenstein. Bei schönen Wetter hat man hier den wahrscheinlichen schönsten Ausblick auf die Dolomiten, samt Rosengarten und Schlern. Die Abfahrt ist dann sehr gut ausgebaut, kurvig und rasant.

Blick auf die Dolomiten

Bei Klobenstein (mit Blick auf Schlern, Rosengarten usw.)

Anschließend kann man sich z.B. dem Rollepaß zuwenden. Er ist einer der ältesten Dolomitenpässe. Der Belag ist nicht optimal, aber die Landschaft großartig. Ein Highlight ist z.B. der 3185m hohe Cimon della Pala.

Am Nordende des Rollepaß Am Rollepaß

Wunderschön ist auch der eher unbekannte Würzjoch-Paß vorbei am Peitlerkofel. Los geht es von Brixen in Richtung St. Andra und Alta Badia/St. Martin. Sehr schmal und kurvig, aber gut ausgebaut ist die Straße. Oben sollte man Rast machen und vielleicht sogar etwas wandern.

Auch in Slowenien ist es wunderschön. Am spektakulärsten ist sicher die Gegend um Kranjska Gora und südlich davon, auch Schotterstrecken gibt es genug.

Der Klausenpaß (1952m) bietet kaum Superlative, aber von Bregenz und Glarus kommend bietet der Ausgang eine grandiose Aussicht: Man befindet sich auf eine Art Hochebene und kann auf einen schmalen Taleingang quer blicken.

Am Westausgangs des Klausenpasses Am Klausenpaß

Die Schnellen

Natürlich gibt es Motorradfahrer, die erst ab 200km/h Spaß an der Sache haben. Einige Pässe scheinen aber wirklich für Raser gemacht zu sein. Der St. Gotthardt z.B. ist eher eine Autobahn: Lange Geraden, nicht zu enge Kehren. Optimal ist hier ein Motorrad mit über 100PS oder ein Auto ab 300PS. In weit abgespeckter Form gilt dies für einige große schweizer Pässe, z.B. den Furka-, Susten- oder den Grimselpaß. Hier kommt aber schon mit weniger PS keine Langeweile auf und auch die Landschaft ist schöner. Man kann sogar direkt an einige Gletscher heranfahren.

Gletscher am Sustenpaß Am Sustenpaß

Die Anspruchsvollen

Gewiß haben es Stilfser Joch und Gavia-Paß in sich, doch manche eher selten befahrene Pässe stehen nicht zurück. Für meinen Geschmack der anstrengenste Paß ist der Splügenpaß von Splügen (Schweiz) zum Comer See. Auf der nördlichen Seite ist alles noch absolut harmlos, doch auf der italienischen sind die Kehren sehr eng, da wünscht man sich oft mehr Lenkeinschlag oder muß beten, daß kein Gegenverkehr kommt. Auch ist der Höhenunterschied hier sehr groß, es dauert also bis man erlöst wird. Ins schwitzen gerät man nach natürlich auch schon, bei der Nähe zum Comer See. Die Gegenrichtung wäre sicher günstiger, jedoch kann von rhythmischer sicher keine Rede sein.

Die Via Mala auf dem Weg zum Splügenpaß An der Via Mala

Als kaum enden wollend habe ich bei dichten Verkehr auch den Petit Colle de St. Bernardt Richtung Aosta (unweit des Mont Blanc´) empfunden. Dabei ist der Paß gut ausgebaut, jedoch recht schmal, so daß man an den Autos kaum vorbei kommt.

Richtig etwas erleben kann man auch am Gardasee und dessen Umgebung. Gibt es doch hier noch echte Schotterpässe mit Strecken bei denen zwei Motorräder nicht mehr nebeneinander passen.

Schotterpaß westlich des Gardasees, nahe dem Idrosee Schotterpaß am Largo d´Idro

Ganz ähnliches gilt für das Colle de Fenestre bei Susa. Diesen Paß mußte ich fast bei Dunkelheit passieren, da zu dieser Zeit scheinbar ganz Turin die Alpen blockiert hatte und kein Zimmer mehr zu bekommen war. Der Paß fängt gut ausgebaut und harmonisch an und mündet in eine urige Schotterpiste.

Die Harmonischen

Die Sella-Runde (mit Grödnerjoch, Sellajoch und Pordoijoch) kann das Harmonieattribut voll für sich beanspruchen. Hier macht das Fahren immer Spaß, eine Kurve jagt die nächste und der Belag ist optimal. Dazu das grandiose Umfeld mit Sellagruppe, Marmolada und Langkofelmassiv.

Langkofel (am Sellajoch, Blick Richtung Westen) Am Sellajoch

 

Grandios-schön: Karersee (östlich von Bozen) auf dem Weg zum Paso di Rolle Am Karersee

Ganz ähnliches gilt sicher auch für die Silvretta-Hochalpenstraße (leider mit Maut) von Partenen (Vorarlberg) nach Galtür (Tirol). Diese Richtung ist sicher die schönere, da das Beraufstück dann viel länger ist. Obwohl der Paß nicht gerade niedrig ist, ist die Landschaft noch nicht allzu hochalpin, am Anfang sogar noch mittelgebirgsähnlich. Es gibt auch einen kleinen Weg durch den Wald, vom Galürer Schigebiet nach Partenen. Trainierte Radfahrer können so eine ganze Runde drehen.

Silvretta-Hochalpenstraße (Blick nach Norden, von Partennen kommend) Silvretta-Hochalpenstraße

Die Steilen

Dieses Kriterium ist vor allem bei schwachen Motorrädern wichtig. Die Turacher Höhe in Österreich bin ich mit einer 125er gefahren und an einigen Stellen mußte der erste Gang rein, selbst auf Geraden. Ebenfalls in sich hat es der Katschbergpaß, vor allem die Südseite (Kärnten).

Die Besonderen

Gewisse Besonderheiten hat fast jeder Paß. Hier fällt mir aber der Staller Sattel (unweit von Brunneck) zuerst ein, da die Straße so schmal ist, daß jeweils nur eine eine halbe Stunde in jeder Richtung gefahren werden kann. Normalerweise fahre ich lieber bergauf, aber hier ist der Bergabweg phänomenal: Die Hinfahrt durch Defereggental (nahe Felberntauernstraße) ist bereits wunderbar und dann blickt man ständig nach Italien auf den Antholzer See.

Die Eigenentdeckungen

So etwas gibt es eigentlich gar nicht, aber einige Pässe sind wirklich weitgehend unbeachtet und nur Vielfahrern bekannt. Der Sölkpaß in der Steiermark hat eine relativ lange Wintersperre und das Tal ist wenig bevölkert, was schon recht selten ist.

Der Namlospaß nahe Lermoos ist auf jedem Fall eine Reise Wert. Obwohl unweit von Garmisch und St. Anton hat hier der Tourismus noch kaum Einzug gehalten. Kombinieren kann man ihn optimal mit dem Hahntennjoch nahe Imst.

Der Paso Manghen (südöstlich von Bozen, unweit Cavalese) ist auch eine Reise Wert. Die Straße ist recht schmal und engen Kurven herrschen vor. Oben gibt es dann einen See zu bewundern.

Am Paso Manghen

Am Paso Manghen

In der Nähe

.. bietet München natürlich auch einiges an, z.B. den Kesselberg (zwischen Kochel- und Walchensee), das Sudelfeld (nahe Kufstein) oder die Roßfeldstraße (bei Berchtesgaden, leider mit Maut). Dort gibt es auch eine extrem steile Straße mit rund 30% Gefälle.

Die Teuren

An vielen schönen Pässen vor allem in Österreich gilt leider Mautpflicht, so z.B. für die berühmte Großglocknerstraße. Hier lohnt das Geld aber allemal, zumal man am Gipfel entspannen kann und sich z.B. einen Film vom Bau ansehen kann. Ähnliches ist auch bei der weniger spektakulären Nockalmstraße möglich. Am Gerloßpaß (Zillertal) sind die Krimser Wasserfälle zu bewundern. Das Timmelsjoch ist schön und auch deslhalb interessant, weil man damit einfach eine Alternative zum Reschen oder Brenner hat.

In Italien ist Maut eher selten, aber wenn, wird auch etwas geboten. So zum Beispiel an den berühmten Drei Zinnen in den Dolomiten. Motorradfahren tritt hier vor der gigantischen Kulisse in den Hintergrund und die Paßfahrt ist recht kurz.

3 Zinnen

Drei Zinnen aus der Luft

Das waren natürlich bei weitem nicht allen Pässe, aber die interessantesten schon. Trotzdem gibt es noch Wunschträume für die nächste Zeit.

Noch offen

Einiges habe ich mir natürlich noch für dieses Jahr vorgenommen. So war diesmal die Schweizer Autobahnplakette fällig, damit man schnell mal an den Aletschgletscher und das Matterhorn kommt.
An Pässen habe ich mir diesmal den Simplonpaß und den Bernina vorgenommen, aber bisher nicht geschafft. Auch Slowenien wurd im Rahmen eines Tauchurlaubs nocheinmal genauer unter die Räder genommen. Der Col d´Izoard und der Col de la Bonette oder die Provence müssen wohl noch etwas warten.
Paßstraßen gibt es natürlich auch außerhalb der Alpen, z.B. auf vielen Mittelmeerinseln (Kreta, Sardinien usw.) oder im Mittelgebirge (Scharzwald, Bayr. Wald, Eiffel, Schwäb. Alb usw.)

Update und Pässe auf Kreta und in Kroatien/Slowenien (Update!).

Diese Pässe sind übrigends auch noch im Winter (prinzipiell) offen:
In Deutschland: Oberjoch, Riedberg, Sudelfeld
In Italien: Falzarego, Gampenpass, Grödner Joch, Mendelpass, Nigerpass, Pordoi, Sellajoch
In der Schweiz: Flüela, Julier, Maloja, St. Gotthart
In Österreich: Gailbersattel, Gerlospass, Plöckenpass


Weitere Infos zu Alpenpässen in BikersHeaven.

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Copyright © 2000 Stephan Weber. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: Juli 10, 2002.